Trumps Leiter für Netanjahu: Rettung vom Baum des gescheiterten Sieges?

Wird Netanyahu von seinem Baum des absoluten Sieges in Gaza auf der Leiter von Trump
heruntersteigen oder wird er auf seinem Rücken herunterrutschen?
Von: Munjed Saleh*

Es ist wahrlich erstaunlich, wie sich Netanjahu seit dem 7. Oktober 2023 – jenem Tag, den er selbst
als „Schwarzen Samstag“ bezeichnete – verhält: Er springt von einer Drohung zur nächsten,
schwingt sich von einer Erklärung zur nächsten, schläft, träumt, erwacht, gähnt – und wiederholt
unentwegt dieselben Parolen: „absoluter Sieg“ und „Rückführung der Geiseln“.

Doch weder der absolute Sieg hat sich eingestellt, noch sind die Geiseln – auf seine Weise –
zurückgekehrt. Netanjahu schwimmt weiterhin in seinen Illusionen und verkauft den Israelis
Träume, während diese seiner Taktik müde geworden sind, seine Absichten durchschaut und seine
Strategien längst durchdrungen haben.
Um der Wahrheit die Ehre zu geben: Netanjahu hat tatsächlich etwas vollbracht – er hat Gaza in
Trümmer gelegt, seine Armee hat Tod, Verwüstung und Leid über das Land gebracht. Die Zivilbevölkerung leidet: Tote, Verletzte, Vermisste, Vertriebene, Hungernde und Dürstende. Er und
seine Armee haben sich gegen die Schwachen erhoben – gegen Zivilisten, gegen Bäume und Steine
– und doch versanken sie im Wüstensand von Gaza angesichts der entschlossenen
Widerstandskämpfer: Der Mann mit dem schwarzen Umhang, der Held, der seine improvisierte
Bombe direkt an den Leib des Merkava-Panzers heftete.
Und dennoch, ein Jahr nach Netanjahus Völkermordkrieg gegen die standhafte Bevölkerung Gazas,
spielt er weiterhin dieselbe Symphonie – mit denselben Instrumenten: Die Symphonie des absoluten
Sieges und der Rückkehr der Geiseln durch noch mehr militärischen Druck!

Und siehe da – Trump tritt auf die Bühne. Trotz seiner eindeutigen Unterstützung Israels in diesem
Krieg, trotz der Lieferung weiterer Bomben und Raketen, scheint selbst Trump zunehmend an
Netanjahus Kriegskurs zu zweifeln. Er scheint nicht mehr an die Effektivität einer militärischen
Ausweitung zu glauben.
Trump, der Netanjahu einerseits stützt, kritisiert ihn andererseits auch. Mal koordiniert er mit ihm,
mal ignoriert er ihn. So wie bei der Freilassung von Idan Alexander oder dem Stopp der
Luftangriffe im Jemen. Obwohl Trump weiterhin Netanjahus wichtigster Rückhalt bleibt, reicht er
ihm gleichzeitig auch eine bequeme Leiter – damit Netanjahu von seinem Baum des „absoluten
Sieges“ heruntersteigen kann, bevor er rücklings zu Boden stürzt.